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Es ist ein Wetter, bei dem man vieles verlieren kann. Beispielsweise den Reisekoffer mitsamt Pass, der auf dem Flughafen-Trolley stehen bleibt beim Versuch, schnell ins wartende Taxi zu kommen. Oder das Ged�chtnis, wenn man sp�ter im Taxi zur�ck zum Flughafen rast und dabei durch einen Unfall im Koma landet Man kann bei diesen Schneewehen sogar seine ganze Identit�t verlieren! Und das in einer Stadt, die im letzten Jahrhundert nach ihrer Identit�t und Zugeh�rigkeit suchte und in der Mitte entzwei gerissen wurde. "Willkommen in Berlin", sagt Dr. Martin Harris zu seiner sch�nen Frau Liz, als ihnen die dicken Schneeflocken auf die K�pfe fallen. Vier Tage sp�ter wird sie ihn verleugnen. Mit Liz kam der US-Amerikaner Harris nach Berlin, um bei einem Biotechnologie-Gipfel den deutschen Wissenschaftler Dr. Bressler und dessen von einem Scheich finanziertes WelthungerProjekt kennen zu lernen. Was ihm nach dem Taxiunfall und vier Tagen Koma widerf�hrt, ist jedoch alles andere als bereichernd. Liz streitet ab, Harris je gekannt zu haben, zudem befindet sich ein Mann an ihrer Seite, der sich nicht nur als Martin Harris ausweisen kann, sondern auch intime Details aus seinem Leben und Fotos mit seiner gro�en Liebe besitzt Harris ger�t in Erkl�rungsnot, und der Zuschauer in Zweifel, ob die Bilder, die ihm die Kamera zuspielt - seine langsam zur�ckkehrende Erinnerungen -, die eines um seine Identit�t Betrogenen oder eines sich selbst betr�genden Wahnsinnigen sind.
"Unknown Identity" ist l�ngst nicht so �berraschend, wie sich der Thriller gerne verkaufen m�chte. Unl�ngst geriet die Kamera auch im Actionfilm um die Doppelagentin "Salt" (fd 40 024) in den Verdacht, ein unzuverl�ssiger Erz�hler zu sein. "Die Bourne Identit�t" (fd 35 603) deklinierte das trickreiche Spiel um Vergessen und Erinnern in drei Teilen durch. Bei Jaume ColletSerra ger�t die Erz�hllogik dieses Spiels nun etwas ins Schlittern. Denn nat�rlich steckt hinter Harris' Identit�tsverwirrung kein Schlag auf den Hinterkopf oder der ungew�hnliche Scheidungsversuch einer �berdr�ssigen Ehefrau. Fast scheint es so, als ob das Genre des Agententhrillers mit all seinen Figuren im Doppelidentit�ten-Wahn mittlerweile direkt auf die Unsicherheiten der virtuellen Welt reagiert Wer ist man noch, wenn der Gro�teil der Kommunikation im Internet �ber einen narzisstisch aufgemotzten Avatar verl�uft? Wem kann man auf der anderen Seite des wortw�rtlichen Fensters �berhaupt noch trauen, wenn man das eigene Vergn�gen an der Maskerade seinem Gegen�ber andichtet? Klassische Gut-B�seSchemata der Kalte-Krieg-�ra, in der Agenten wie James Bond auf der "richtigen" Seite k�mpften, scheinen l�ngst aufgel�st
So tummeln sich bei Horrorfilmregisseur Collet-Serra schon bald undurchschaubare, mordlustige Agenten in Berlin. Harris Krankenschwester Gretchen dreht man den Hals um, die Tram f�hrt den durch die Berliner Stra�en heizenden Autos w�hrend einer wilden Verfolgungsjagd wortw�rtlich gegen den Karren, das Luxushotel Adlon bekommt explosiv sein Fett ab. Die mit 4,2 Mio. Euro vom Deutschen Filmf�rderfonds mitfinanzierte, Action geladene Ann�herung eines "hollywoodesken" Thrillers an deutsche Befindlichkeiten (inklusive heimischer Darsteller) funktioniert zwar durchaus erfrischend als Genrefilm der Doppelidentit�ten und der Stars - dennoch bleiben der Makel der Vorhersehbarkeit sowie die L�cher in der Handlung so gro� wie Berlin und die arge schlichte Botschaft: "Du bist, was du tust, nicht das, was du warst" Haarige Wendungen inklusive arabischer Terrorakte auf Youtube, das Elend illegaler Einwanderer und ein Ex- StasiMann in "menschlicher Mission" machen den Plot zum �berfrachteten Sammelsurium aktueller Brennpunkte. Die "Diva" Berlin als Handlungsort, angef�llt mit einem Star-Aufgebot von beiden Seiten des Atlantiks, passt freilich doch wiederum sehr gut zu einem Film, der die eigene Geschichte nicht so ernst nimmt wie das In-Szene-Setzen seiner Schauwerte. Kathrin Hager
KINOSTART 3.3.2011
Unknown Identity
Unknown Identity
Scope. USA/Gro�britannien/Frankreich 2011
Produktion Dark Castle Ent./Studio Canal/Studio Babelsberg/TF1 Films Prod.
Produzenten Leonard Goldberg, Andrew Rona, Joel Silver, Christoph Fisser, Charlie Woebcken
Regie Jaume Collet-Serra
Buch Oliver Butcher, Stephen Cornwell, nach dem Roman "Hors de moi" / "Unknown Identity" von Didier Van Cauwelaert
Kamera Flavio Labiano
Musik John Ottman, Alexander Rudd
Schnitt TimAlverson
Darsteller Liam Neeson (Dr. Martin Harris), Diane Kruger (Gina), January Jones (Elizabeth Harris), Aidan Quinn (Martin B.), Bruno Ganz (Ernst J�rgen), Frank Langella (Rodney Cole), Olivier Schneider (Smith), Stipe Erceg (Jones), Rainer Bock (Herr Strauss), Karl Markovics (Dr. Farge), Eva L�bau (Gretchen)
L�nge 113 Min.
Verleih Kinowelt
Ein US-amerikanischer Professor, der an einem brisanten Kongress in Berlin teilnehmen will, f�llt nach einem Taxi-Unfall ins Koma. Als er erwacht, gibt seine Ehefrau vor, ihn nicht zu kennen. Der Akademiker, der an seinem Verstand zweifelt, versucht herauszufinden, ob er unter einem Identit�tsverlust leidet oder Opfer einer Intrige ist. Dabei bekommt er es mit Gegnern zu tun, die sich als �u�erst t�dlich erweisen. In den Actionszenen und Schauwerten mitrei�end inszenierter Genrefilm, dessen Finten allerdings recht vorhersehI bar sind; zudem ist logisch wenig stringente Handlung zu sehr mit Problemfeldern �berladen. -Ab 14.

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